Das Friedländer Tor an der Nordostseite der mittelalterlichen Wehranlage ist das älteste der vier Tore und gleichzeitig auch das in seiner Komplexität am besten erhaltene. Der nördliche und östliche Abschnitt der Wehranlage war der am meisten gefährdete, so dass hier begonnen wurde die Stadt zu befestigen. Der Beginn der Erbauung des Tors ist um das Jahr 1300 zu datieren.

An seinem Aufbau lässt sich am besten das Schema dieser mittelalterlichen Toranlagen erkennen. Die Anlage des Friedländer Tores besteht aus einem stadtseitigen Haupttor und dem feldseitigen Vortor. Beide sind mit Mauern verbunden, die den Zwinger bilden. Vor die Anlage ist als spätere Ergänzung zum Schutz vor großkalibrigen Feuerwaffen ein halbrunder Zingel gesetzt, der wiederum durch Mauern mit dem Vortor verbunden war und somit einen weiteren Zwinger bildete.

An der Architektur des Friedländer Tores lassen sich mehrere Bauphasen ablesen. Das dreigeschossige Haupt- oder Innentor hat einen quadratischen Grundriss und zeigt an der Feldseite noch Elemente des Übergangs vom romanischen zum gotischen Stil. Dies ist der älteste Teil der Anlage, datierbar in die Zeit um 1300. Die stadtseitige Westfassade mit dem angebauten polygonalen Treppenturm dagegen ist etwas später in bereits ausgeprägtem gotischen Stil Ende des 14. Jahrhunderts errichtet worden. Der Dachstuhl konnte in das Jahr 1394 datiert werden.

Die Stadtseite des Haupttores ist reich gegliedert mit Blendnischen, schießschartenartigen Fensteröffnungen und einem schmuckreichen Pfeilergiebel. Auf der Seite zum Zwinger hin sind die beiden Führungspfeiler für das Fallgatter sehr präsent. Die Durchfahrtsöffnung zeigt den für die Gotik typischen Spitzbogen. Im Inneren ist die Durchfahrt mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt gewesen, wovon heute nur noch rudimentäre Ansätze erkennbar sind. Neben dem Fallgatter wurde das Innentor beidseitig noch mit großen Torflügeln verschlossen, was also eine dreifache Sicherung der Tordurchfahrt ergab. Die schmiedeeisernen Torangeln sind noch vorhanden.

Das Innentor ist durch die Zwingermauern mit dem Vortor verbunden. An den Zwingermauern sind anhand der unterschiedlichen Ausführung der inneren Blenden ebenfalls zwei Bauphasen zu unterscheiden. Auch die Baunaht ist erkennbar. Auf deren Höhe befand sich wahrscheinlich ein Palisadenzaun, vielleicht mit einem Holztor oder einer Zugbrücke. Dahinter wurde das Haupttor errichtet, und erst nachdem auch das Vortor fertig gestellt war, wurde wohl die hölzerne Anlage abgebrochen.

An der nördlichen Zwingermauer ist eine Tafel angebracht, die an die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1631 erinnert, als bei der Erstürmung der Stadt durch General Tilly das Friedländer Tor von der Stadtseite her genommen und die Besatzung grausam niedergemetzelt wurde.

In die Zwingermauern wurden im 18. Jh. beidseitig Fachwerkhäuschen eingebaut, die Sitz und Wohnung für den fürstlichen Steuereinnehmer (Zollhaus) sowie für den Tor- und Zingelwärter waren.

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Friedländer Tor 1, 17033 Neubrandenburg, Deutschland

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53.558933, 13.264997

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