Die Gesamtregion rund um die Ostsee, von Dänemark bis weit nach Russland, war mit ihrem weit verzweigten Netz von Hansestädten im Mittelalter der führende Wirtschaftsraum Europas. Gerade auf dem heutigen Gebiet Norddeutschlands liegen einige damalige "Welt"städte. Ökonomische Macht spiegelt sich bis heute wider in den aus dieser Zeit stammenden Bauwerken. Gotisch geprägt und aus Millionen von Backsteinen konstruiert entstanden sie überwiegend zwischen 1200 und meist bis spätestens 1600. Diese bauhistorischen Perlen finden sich heute als Dorfkirchen oder Kathedralen, als Bürger- oder Rathäuser, in Toren und Stadtmauern.
So erhielt die Stadt Wolgast, heute eines der beiden Tore zur Insel Usedom, schon Jahrhunderte vor der Entstehung der dortigen Kaiserbäder als Hansestadt das Lübische Stadtrecht. Ab 1296 residierten die Herzöge der Wolgaster Linie mehr als drei Jahrhunderte lang auf der Schlossinsel. Die St. Petrikirche und das Kleinod der 12eckigen Gertrudenkapelle sind bis heute beeindruckende Zeitzeugen einer wechselvollen Geschichte.
Die Hansestadt Stralsund, zusammen mit Wismar UNESCO-Stadt, stieg nach der Verleihung des Stadtrechts 1234 schnell zu einer Lübeck fast ebenbürtigen Stadt auf. Bis heute zeugen zahlreiche Bürgerhäuser, Tore, Klöster, das Rathaus und insbesondere die Marien-, Nikolai- und Jakobikirche von ihrer einstigen Bedeutung. Der Hafen, das Ozeaneum und die Rügenbrücke ergänzen heute die historische Stadt und Besucherattraktion Norddeutschlands.
Schwerin, im Landesinneren gelegen, ist heute als kleinste Landeshauptstadt bekannt und für sein beeindruckendes Schloss berühmt. Der Dom, gebaut zwischen 1270 und 1426, ist mit seinem gut 117 m hohen neogotischen Turm, der einen großartigen Ausblick bietet, jedoch noch auffälliger und zugleich eines der wenigen Zeugnisse des mittelalterlichen Schwerins.
Die Insel Rügen, über die Rügenbrücke direkt verbunden mit Stralsund, wird bei Besuchern vor allem aufgrund der Schönheit ihrer Landschaft und ihrer eindrucksvollen Küsten geschätzt. Doch die Insel hat eine lange Geschichte, von der eine Vielzahl backsteingotischer Kirchen zeugen, jede für sich einzigartig. So hat unter anderem die Marienkirche in Bergen sogar romanische Ursprünge.
In herausragender Lage, gleich südlich der beliebten Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und auf halber Strecke zwischen Rostock und Stralsund, wurden zum Schutz der Querung des Flüßchens Recknitz die Städte Ribnitz und Damgarten angelegt. Der hanseatische Ursprung der heutigen Bernsteinstadt Ribnitz-Damgartens wird vielfach belegt durch das Klarissenkloster (Deutsches Bernsteinmuseum) von 1323, durch das Rostocker Tor und die Marienkirche (1233) in Ribnitz sowie die St. Bartholomäuskirche in Damgarten (1230).
Unweit landschaftlicher Idyllen wie dem Wockersee, der Mecklenburgischen Seenplatte, dem Slater Moor, der Sternberger Seenlandschaft und direkt am Flüßchen Elde gelegen bietet Parchim einen hervorragend erhaltenen Stadtkern, überragt von den Türmen St. Mariens und St. Georgens. In den Kirchen blieben nicht nur die wertvollen mittelalterlichen oder barocken Inventare erhalten. Auch ihre Dachkonstruktionen sind noch fast komplett und teilweise sogar zu besichtigen.
Die kleinste, aber nicht minder bedeutende Stadt auf der Europäischen Route der Backsteingotik ist Neukloster. Der Name ist Programm, denn die Stadt wird geprägt von dem "neu" erbauten,1236 geweihten und großenteils erhaltenen Kloster am Sonnenkamp mit den zweitältesten Fenstern Norddeutschlands, vom Glockenturm und dem Propsteigebäude. Die Natur und der beschauliche Stadtkern laden darüber hinaus zum Ausspannen ein.
