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Die Europäische Route der Backsteingotik wurde im Rahmen der denkmal2010 in Leipzig ausgezeichnet mit einer Goldmedaille für "herausragende Leistungen in der Denkmalpflege in Europa".
 
Goldmedaille
 
 
 

Die Europäische Route der Backsteingotik erhielt im Herbst 2012 einen "Sonderpreis" der Jury des europa nostra-Komitees. Damit würdigte die Organisation, die unter anderem den Erhalt des kulturellen Erbes in Europa zum Ziel hat, die besondere Arbeit des Vereins. 
 
special mention europa nostra
 
 

Polen

EuRoB Mapa Toruń
 

Toruń

Thorn
 
 
 

Klostertor

 
 
Klostertor
Adresse:
Ulica Św. Ducha
 
Das Bauwerk:
Das Klostertor ist auch unter den Namen „Tor zum Heiligen Geist“ bekannt, gebaut wurde es im 14. Jh., als eines von vier Stadttoren, die in die Stadt zum Weichsel-Hafen führten.

Der Bau hat bis heute trotz mehreren kleinen Umbauarbeiten, die im Laufe der Jahre stattgefunden haben, seine ursprüngliche gotische Form mit drei spitzbögigen Nischen erhalten. Hinter der äußeren Nische befand sich ein verstecktes Fallgatter, das im Falle eine Belagerung der Stadt heruntergelassen wurde. Oberhalb der mittleren Nische gab es eine kleine Öffnung, durch die schwere Gegenstände und heiße Flüssigkeiten herunter geworfen wurden. Oft war es kochende Graupe. Die dritte Nische verdeckte das hölzerne Eingangstor, einst hat man es am Abend verschlossen und bei Tagesanbruch geöffnet. Das Eingangstor war zusätzlich verstärk durch Beschlag aus Metall. Der Name des Tores kommt ursprünglich von einem mittelalterlichen Kloster von Benediktinerinnen mit der „Kirche zum Heiligen Geiste“, die sich in der Nähe befanden und zur Zeit der „Schwedischen Flut“ in 17. Jh. zerstört wurden.
 
 
 

Kopernikushaus

 
 
Copernikushaus
Kontakt:
Kopernikushaus
Ulica Kopernika 15/17 

Öffnungszeiten:
Täglich außer montags
Okt.- April 10-16 Uhr
Mai-Sept. 10-18 Uhr
 
Das Bauwerk:
Das Kopernikushaus ist ein mittelalterliches Patrizierhaus, das in der zweiten Hälfte des 15. Jh. der Familie Kopernikus gehörte. Vermutlich ist es das Geburtshaus des bekannten Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473-1543), der als Erster bewies, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist, sondern wie mehrere andere  Planeten um die Sonne kreist. Als Kopernikus 1473 zur Welt kam, gehörte der Familie allerdings auch ein Teil eines Gebäudes am Altstädtischen Markt, so ist nicht auszuschließen, dass Kopernikus vielleicht auch hier geboren wurde. Dieses Gebäude ist heute jedoch nicht mehr erhalten.

Das Kopernikushaus entstand im 15. Jh. und zählt zu den schönsten Patrizierhäusern in Nordpolen. Die Fassade des Gebäudes zeichnen ein Spitzbogenportal sowie ein Backsteinfries und vertikale Nischen mit für Toruń typischen zweifarbigen gotischen Mustern aus.

 Wie auch in anderen Hansestädten üblich wurde das Gebäude als Lager und als Wohnhaus benutzt. In der ersten Etage zur Straßenseite hin befand sich eine Küchennische, ein Treppenhaus und ein hängendes Stübchen aus Holz. Im hinteren Teil gab es ein kleineres und niedrigeres Zimmer, oberhalb dessen noch eine Stube lag, die normalerweise als Schlafzimmer für die ganze Familie genutzt wurde. Alle anderen Räume, wie z.B. der geräumige Keller und das Dachgeschoss wurden als Lager für Lebensmittel und andere Handelsgüter verwendet.

Im Gebäude befindet sich heute ein Museum ("Kopernikushaus"), das über Leben und Werk des berühmten Astronoms informiert und auch ein Modell der mittelalterlichen Stadt Toruń zeigt. Besonders sehenswert sind Holzbalkendecke und bemalte Wände, die teilweise noch aus den 15. Jh. stammen.
 
 
 

Schiefer Turm

 
 
Schiefer Turm
Adresse: 
Ulica Pod Krzywą Wieżą
 
Das Bauwerk:
Der Schiefe Turm war in Mittelalter ein Wehrturm und wie der Name sagt ist er schief. Der Legende nach entstand der Turm als Folge des Vergehens eines Ritterordensbruder, der sich heimlich und gegen die Regeln mit einer schönen Tochter eines reichen Toruńer Händler traf. Als Buße für das gebrochene Ordensgelübde sollte er einen schiefen Turm als Symbol für das Brechen der strengen Ordensregel bauen. Heute sagt man, dass diejenigen, deren Sünden schwerer als seine sind, es nicht schaffen das Gleichgewicht zu halten, wenn sie sich an den Turm anlehnen. Diejenigen, die sündenfrei leben, werden dagegen nicht umfallen. Dieser Test ist seit Jahren ein Pflichtprogrammpunkt von jeder Stadtführung in Toruń.

Der Turm wurde im 14. Jh. als einer von dutzenden Wehrtürmen der Stadtmauer von Toruń gebaut. Die Neigung ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch den herabrutschenden, sandigen Grund entstanden. In der Vergangenheit hat es nicht an Menschen gefehlt, die geglaubt haben, dass diese Neigung des Turmes die Gottesstrafe für eine teuflische Erfindung des Kopernikus ist. Die Nachricht über den Schiefenturm erreichte sogar Rom und trug mit dazu bei das Werk des Astronomen auf den Index zu setzen.

Zu Anfang hatte der Turm nur ein Fundament mit drei Wänden ohne die Wand zur Stadtseite. Durch die Öffnungen in den Seitenwänden lief ein Wachgang, der eine Verbindung zur Wehrmauer herstellte. Diese offene Konstruktion erleichterte das Hochziehen von Munition sowie von kochender Flüssigkeit was der Verteidigung diente. Im18. Jh. verlor sie ihre Verteidigungsfunktion und wurde für einen Frauenkarzer umfunktioniert. Der Turm diente in der Folgezeit außerdem als Wohnung, Büro und Restaurant. An beiden Seiten des Wehrturmes gibt es noch die mittelalterliche Stadtmauer mit Teilen von rekonstruierter hölzerner Lauben, die damals zur Verteidigung dienten, um sich besser auf dem Mauer zu bewegen und zu schießen. Es gab noch eine zweite Mauer hinter der Stadtmauer, die nach außen hin mit einem Wassergraben umgeben war. Ein großer Teil der Verteidigungsmauer wurde erst im 19. Jh. abgebaut, trotzdem kann man bis heute die Stadtbefestigung noch besichtigen, besonders an der Grenze zwischen der Alten und Neuen Altstadt Toruńs.
 
 

Altstädtisches Rathaus

 
 
Altstädtisches Rathaus
Kontakt:
Altstädtisches Rathaus
Rynek Staromiejski 1 

Öffnungszeiten:
Täglich außer montags 
Okt.- April 10-16 Uhr 
Mai-Sept. 10-18 Uhr 

 
Das Bauwerk:
Das altstädtische Rathaus gehört zu den wichtigsten Baudenkmälern in Toruń und ist eines der größten dieser Art Backsteingebäude in Europa. Früher diente es als Verwaltungs- und Handelszentrum. In der Nähe des Hauses fanden Märkte, ritterliche Kampfspiele und sogar öffentliche Hinrichtungen statt. Das Gebäude entstand Ende des 14. Jhd. im gotischen Still.

Damals befand sich auf dem Markt ein Turm, der an den Neubau angeschlossen und erhöht wurde und einen aus Blech gefertigten Helm erhielt. Damit entstand ein eingeschossiges Gebäude mit einem großen Hof, der sich jeden Tag mit einem Menschengedränge von Händlern, Ratsherren und anderen Bewohner der Stadt füllte. In dem Turm befanden sich Schatzkammer, das Stadtarchiv und ein Gefängnis, im Keller gab es Bier und Wein im Ausschank. Im Erdgeschoss waren Tuchhallen, viele kleine Stände, eine Waage und eine Gerichtslaube, auf der ersten Etage gab es einen Ratssaal und einen großen Bürgersaal. Im Rathaus wurden die Hochmeister des Deutschen Ordens, sowie polnische Könige empfangen. Einer von ihnen Jan Olbracht ist hier 1501 gestorben. Das Herz des Königs ruht bis heute im Dom zu Toruń. Zwischen 1602-1603 wurde das Haus im Still des Manierismus umgebaut, somit wurde es um eine Etage erhöht. Die Fassade erhielt neue Giebel, kleine Türme und Fensterrahmen aus Stein. Der Architekt Antoni van Oppergaen, der die Umbauten durchgeführt hat, verzichtete nicht auf den gotischen Charakter des Gebäudes. 1645 fanden im Rathaus regelmäßig mit dem Colloguium Caritativum religiöse Debatten statt, bei denen versucht wurde die in Katholiken und Protestanten zerstrittenen Christen zu versöhnen. Hier versammelten sich preußische aber auch polnische Landtage. Eins der tragischsten Ereignisse in der Geschichte des Hauses war ein Brand, der sich 1703 während der Bombardierung der Stadt durch die schwedischen Truppen enteignete. Alle Geschosse oberhalb des Erdgeschosses sowie das Dach sind zerstört worden. Erhalten geblieben waren die Backsteinmauern, somit war ein Aufbau des Gebäudes möglich. Die Spuren des Brandes sind bis heute noch an dem Gebäude sichtbar, der Blechhelm des Turmes wurde nie wieder aufgebaut. Das altstadtsche Rathaus diente bis Mitte des 20. Jhd. als Verwaltungssitz, besonders während der Kriege wurden die Räume als Krankenhaus für Soldaten benutzt. Heute hat hier das Bezirksmuseum seinen Sitz. Die Räumlichkeiten des Rathauses sind zur Besichtigung freigegeben. Das Museum zeigt eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt Gotischer Still und Polnische Malerei aus dem 19. und 20 Jhd. Unvergesslich ist der Ausblick auf die Altstadt und die Weichsel aus dem 40 m hohen Turm.
 
 

Ruine der Deutschritterordensburg

 
 
Ordensritterburg
Kontakt:
Centrum Kultury Zamek Krzyżacki
Ul. Przedzamcze 3
PL-87-100 Toruń 
Tel.: +48 56 6210335 

Öffnungszeiten:
Nov.-Feb. 10-16 Uhr
März-Okt. 10-18 Uhr

Mehr Infos finden Sie hier...
 
Das Bauwerk:
Die Burg gehörte zu den ältesten Bauten dieser Art östlich der Weichsel. Mit dem Bau der Burg wurde bereits Mitte des 13. Jhd. angefangen. Bereits vorhandene Befestigungen einer alten aber zuvor zerstörten Siedlung wurde aufgegriffen, was die untypische Form eines Hufeisens erklärt. Die Burg wurde anfangs aus Holz gebaut, später baute man aus Stein und Backstein, der Ausbau der Burg dauerte bis ins 15. Jhd. Der Gebäudekomplex zusammen mit Vorschloss und Wirtschaftsgebäuden zog sich von der Alt- in die Neustadt im damaligen Toruń. Die Burg hatte eine wichtige strategische Funktion gehabt, da sie sich in der Nähe der Grenze zwischen dem Deutschen Orden und Polen befand.

Hinter der hohen Mauer der Hauptburg stand ein mehrstöckiges Gebäude mit einer Kappelle, Refektorium und Dormitorium, wo die Ritter gelebt haben. In den Gewölben bewahrte man Lebensmittel auf, was unentbehrlich war für die Zeiten einer Belagerung. Mitten im Hof stand ein hoher, freistehender Turm, benutzt wurde er als Beobachtungsturm, aus dem man die Bewohner der Burg mit Feuer und Rauch über Gefahren informierte. Das Wasser für die Burg kam aus dem Brunnen. Außerhalb der Mauern baute man ein Dansker, einen hohen Turm, der als Toilettenanlage gedient hat und gleichzeitig auch als Wehrturm. Die Besatzung der Burg bestand aus zwölf Ordensrittern und dem Komtur, der das Oberhaupt der Burg war. Er repräsentierte die Ordenritter in Toruń und Umgebung. Die Toruńer Burg wurde nie von außen erobert, jedoch von ihren unmittelbaren Nachbarn, der Toruńer Bevölkerung zerstört, als sie die Burg Anfang Februar 1454 belagerten. Es war ein Akt der Verteidigung und ein Signal für einen landesweiten Aufstand, geführt von Preußischen Bund, der Bürger- und Ritterstand gegen die Willkür des Deutschen Ordens schloss zusammen. Nachdem die Bevölkerung die Burg erobert hatte, zerlegte sie diese fast vollständig. Auf dem Hof entstand für mehrere Jahrhunderte eine Müllkippe. Erst als in den 60er Jahren des 20. Jhd. der Müll beseitigt wurde, kam die darunter liegende Ruine wieder zum Vorschein. Dank der erhaltenden Außenmauern kann man bis heute den Grundriss der Burg erkennen. Im Hofeingang und in der Mitte des Hofes sind noch heute die Reste des Turms vorhanden. Die Ruinen an der Weichselseite zeigen den Teil der Burg, in dem die Ritter gelebt haben. Am besten erhalten ist das Dansker, das man zwischen dem 16. bis 18. Jhd. als Lagerhaus für Schießpulver benutzte. Heute finden in den Gewölben Ausstellungen über die Geschichte und das tägliche Leben der Deutschen Ordensritter statt. Diese historische Ruine dient oft als Bühne für Konzerte, Feste und Ritterkampfspiele.
 
 

Segeltor

 
 
Segeltor
Adresse
Ul. Żeglarska
 
Das Bauwerk:
Das bereits Mitte des 15. Jhs. erbaute Segeltor verdankt sein heutiges Aussehen einem Umbau im 19. Jh. Die Straße durch das Tor führte vom Hafen zur Pfarrkirche der Hll. Johannes und weiter bis zum altstädtischen Markt, was das Segeltor damals zum wichtigsten Tor der Stadt machte.

Besuchende polnische Herrscher wurden hier von den Bürgern der Stadt begrüßt. Der Bürgermeister überreichte ihnen symbolisch den Schlüssel zu den Stadttoren und lud sie in die königlichen Gemächer im Altstädtischen Rathaus ein. Die zum Tor führende Straße nannte man entsprechend Königsweg. Sie war die breiteste und repräsentativste aller altstädtischen Straßen. Laut alten Dokumenten bauten die Thorner hier bereits Mitte des 13. Jh. die ersten untermauerten Häuser der Stadt. Bis heute sind hier viele von den prächtigen Patrizierhäusern zu sehen, die den reichsten Bürgern und Händlern der Stadt gehörten.

Von hier aus sieht man auch die im 15. Jh. entstandene Uhr, die am Turm der Kirche der Hll. Johannes hängt. Die Thorner nennen sie „Flößer-Uhr”, da sie nur für Seefahrer und Flößer auf der Weichsel sowie für diejenigen, die im einst belebten Hafen arbeiteten, sichtbar war. Im Mittelalter legten im Hafen Handelsschiffe mit Kupfer, Getreide und Salz an. Die Ware, die man hier umlud, wurde weiter nach England, Norddeutschland und Schweden transportiert. Der Hafen verlor im 15. Jh. allmählich an Bedeutung, als der Handelsweg über den Danziger Hafen die Hauptroute für den Warentransport wurde. Für die Flößer, die hier noch vor 100 Jahren zu sehen waren, war Thorn bis dahin ein wichtiger Halt. In den Nachkriegsjahren wurde der Hafen stillgelegt. Seitdem legen hier nur noch Ausflugsschiffe an, die Touristen in die Stadt bringen.
 
 

St.-Jakob-Kirche

 
 
St. Jacob-Kirche
Adresse:
Ulica św. Jakuba 
Rynek Nowomiejski
 
Das Bauwerk:
Im Jahr 1309 begann man mit dem Bau der St.-Jacob-Kirche. Sie diente als Pfarrkirche für die Bewohner der Neustadt, die 1264 neben der Altstadt entstand. Im Laufe der Zeit diente sie sowohl Katholiken als auch Lutheranern als Gotteshaus. Ab 1667 bis zum Anfang des 19. Jh. gehörte St. Jakob zum Benediktinerinnenorden. Die Kirche gilt als das schönste gotische Sakralgebäude der Stadt.

Man orientierte sich bei ihrem Bau an den französischen Kathedralen, die den Gewölbeschub des Mittelschiffs und die Windlast nach außen mittels Bögen auf dicke Pfeiler ableiteten, dem sogenannten Strebewerk. Bis heute ist ein Teil des Strebewerks über dem Dach der Sakristei sichtbar. Die restlichen Bögen und Pfeiler des Strebewerkes waren im 15. Jh. in seitlich angesetzte Kapellen integriert worden.
Charakteristisch für den Bau ist sein 49 m hoher Turm mit doppelter Satteldachkonstruktion aus der zweiten Hälfte des 15. Jh.

Der Chor wurde mit Maßwerkmalerei und Verzierungen in Backstein dekoriert, so dass ein prächtiger gotischer Innenraum entstand. Dieser Eindruck setzte sich auch nach außen fort, wo gelbe- und grünglasierte Ziegelsteine Verwendung fanden.

Einige herausragende Kunstwerke im Kirchenraum gehörten früher zum ehemaligen Dominikanerkloster. Wie zum Beispiel ein aus dem 14. Jh. stammendes Kruzifix mit Christus auf dem Lebensbaum, dessen Äste die zwölf Propheten aus dem Alten Testament umflechten oder das gotische Kreuz des schwarzen Christus.

Figuren aus Wandmalereien des 14. und 16. Jh. sowie den im Chor hängenden Passionsbildern dienten als Vorbild für ein paar kleine Skulpturen von Toruńer Bürgern, die sich auf der Stadtmauer an der Podmurna Str. und dem Rathaushof befinden.

Vor der Kirche, zu Füßen der Barockskulptur des Heiligen Jakobus, verweist ein Muschelzeichen darauf, dass die Stadt auf dem Jakobsweg lag.
 
 

Dom der Hll. Johannes

 
 
Dom der Hll. Johannes
Kontakt:
Parafia Św. Janów w Toruniu 
Ul. Żeglarska 16
PL-87-100 Toruń
Tel./fax +48 56 6571480 

Internet:
www.katedra.diecezja.torun.pl
 
Das Bauwerk:
Der Dom der zwei Hll. Johannes erhielt sein heutiges Aussehen erst nach sehr langer Bauzeit, die im 15. und 16. Jh. zudem fast 200 Jahre unterbrochen wurde. Im Mittelalter war der Dom, die wichtigste Pfarrkirche in Thor. Mitte des 16. Jh. übernahmen Lutheraner kurzzeitig den Gottesdienst, bald jedoch wurde in beiden Konfessionen gepredigt. Seit Ende des 16. Jh. ist die Kirche katholisch und wurde 1992 durch Papst Johannes II. in den Rang eines Domes erhoben.

Der Chor, der in der ersten Hälfte des 14. Jh. entstand, ist ausgeschmückt mit gotischer Wandmalerei. Auch der Hauptalter des Heiligen Wolfgangs sowie die gotischen Gewölbe und zum Teil bis heute erhaltenen farbigen Glasfenster fanden Ihre Entstehungszeit im Mittelalter. Im Kirchenraum finden sich zahlreiche Altäre aus der Renaissance und dem Barock sowie viele Epitaphe des Adels und einflussreicher Bürger der Stadt. In der Taufkapelle wurde 1473 Nikolaus Kopernikus getauft.

Zu den wertvollsten Schätzen des Domes gehört die Glocke "Tuba Dei" – die Gottes Trompete, sie wiegt 7 Tonen. Als sie 1500 am Kirchenturm befestigt wurde, war sie die größte Glocke in Mitteleuropa. Der Legende nach ließen die Bürger der Stadt die Glocke gießen, da sie einen bevorstehenden Weltuntergang befürchteten. Mit ihrer Hilfe hofften sie das Schicksalsdatum aufzuschieben. Über Jahrhunderte begleitete der Klang dieser prächtigen Glocke alle wichtigen Ereignisse der Stadt. Heute hört man den sehr hohen Ton der Glocke nur einmal im Jahr, da die Vibrationen, die sie erzeugt, die Konstruktion dieser alten Kirche gefährdet.
 
 

St.-Marien-Kirche

 
 
St. Marien-Kirche
Adresse:
Kościół Wniebowzięcia 
Najświętszej Marii Panny
Ulica Panny Marii
 
Das Bauwerk:
Die Kirche wurde kurz nach der Gründung der Stadt vom Franziskanerorden in der zweiten Hälfte des 14. Jhd. gebaut. Der bis heute erhaltene monumentale gotische Bau ist bereits der dritte oder sogar vierte, der an dieser Stelle steht. Gemäß den strengen Ordensregeln besitzt die Kirche seit Anfang an keinen Turm, sondern drei kleine Dachreiter (Dachaufbau). In der nördlichen Seite der Kirche befand sich ein Kloster, das erst am Anfang des 19. Jhd. abgetragen wurde. Das gleiche Schicksal drohte auch der Kirche, aufgrund einer gefährlichen Neigung einer der Wände und viele Zerstörungen aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Dank rechtzeitig durchgeführter Renovierungsarbeiten wurde das Gebäude gerettet.

Das Innere der Kirche ist mit vielen wertvollen Schätzen bestückt, von besonderem Wert ist die Wandmalerei der Heiligen, entstanden in den 80er Jahren des 14. Jhd. Sehr kostbar ist das holzgeschnitzte Chorgestühl, das sich an den beiden Seiten des Chores befindet und im Mittelalter ausschließlich für die Ordensbrüder vorgesehen war. Ab dem 16. Jhd. als die Kirche von Protestanten übernommen wurde, benutzte das Gestühl der protestantische Stadtrat. Die protestantische Tradition mit gemeinsamen Beten und Gesang prägte über mehrere Jahrhunderte sowohl die Liturgie als auch das Innenleben der Kirche, bis heute erkennbar an der prächtigen Kanzel und der Orgel. Den Klang der Orgel hörten bereits 1636 die Gläubigen bei der Trauerfeier der schwedischen Prinzessin Anna Wasa, sie war die Schwester des damaligen polnischen König Sigismund III. Wasa. Ihre Beisetzung in Krakau lehnten die polnischen Geistlichen ab, da Anna eine überzeugte Protestantin gewesen ist. Bereits zu Lebzeiten mied sie den königlichen Hof und hielt sich lieber in Golub und Strasburg (Westpreußen) auf. Anna Wasa war eine sehr gebildete Frau, mit besonderen Interessen für Botanik und Pflanzenheilkunde, man sagt, dass sie als erste in Polen Tabak anbaute und rauchte. Ihr barocker Grabstein, gestiftet von König Wladyslaw IV. Wasa, befindet sich im Mausoleum an der nördlichen Seite des Chores. Das Gotteshaus diente vielen bekannten Bürgern der Stadt sowie Adligen auch als Grabstätte, wovon zahlreiche Epitaphe aus der Zeit von Renaissance und Barock zeugen.

Die Kirche ging nach religiösen Unruhen erst 1724 wieder an Katholiken über, was mit dem Namen „Thorner Blutgericht“ in die Geschichte eingegangen ist. Danach zog hier für fast 100 Jahre der Franziskanerorden ein. Die Glaubensbrüder veränderten das Innere der Kirche, innerhalb einer kurzen Zeit entstand ein barockes Altar, ein Bogen, den der Chor vom Mittelschiff trennt sowie alle bis heute erhaltene Seitenaltäre. In einem von ihnen, im südlichen Teil des Mittelschiffes hing ein Bild, das angeblich dem polnischen König Jan III. Sobieski gehörte und Bestandteil seines Feldaltars gewesen sein soll, bei seiner erfolgreichen Entsatzung der Türkenbelagerung Wiens.

Die prächtige Ausstattung der Kirche und die im 19. Jhd. entstandenen Glasfenster sowie die spannende Geschichte bilden eine unvergessliche Atmosphäre dieses Gotteshauses.
 
 

Brückentor

 
 
Adresse:
Ulica Mostowa
 
Das Bauwerk:
Das Brückentor wurde 1432 gebaut, es entstand anstelle eines früheren Tores. Zunächst nannte man es Beförderungstor oder das Fährentor, da von hier der Weg zur Fähre verlief. Der heutige Name knüpft an die erste Toruńer Brücke an, die man 1500 über die Weichsel baute. Die hölzene Konstruktion der Brücke wurde mehrmals durch Kriege und Brände zerstört. Die Brücke diente jedoch den Bürgern bis zu der zweiten Hälfte des 19. Jhd., als man in den Nähe eine Eisenbrücke baute.

Das Brückentor war im Mittelalter hochmodern. Von hier aus wurde die Stadt zum Hafen hin bewacht. Ihre runden Ecken verminderte die Treffer von Schüssen. Das Tor lag am tiefsten Punkt der Wehrmauer, so dass man auf ihm über Jahre die hohen Wasserständer markierte.