Von der einst reichen und vielfältigen Klosterlandschaft im Fürstentum Lüneburg zeugen heute noch die sechs Lüneburger Frauenklöster. Das Kloster Walsrode ist das älteste (vor 986), es folgten Ebstorf (um 1160), Lüne (1172), Wienhausen (1225), Medingen (1241) und Isenhagen (1243). Walsrode, Ebstorf und Lüne folgten der Regel des Benedikts, Medingen, Wienhausen und Isenhagen gehörten zum Zisterzienserorden. Die wirtschaftliche Basis der Klöster bildeten Grundbesitz, Zehnteinnahmen, Renten und Eigentumsanteile an der Lüneburger Saline, die durch Mitgiften der aus dem Adel oder der gehobenen Schicht des Bürgertums stammenden Nonnen. Die Frauenklöster – außer Walsrode – besaßen Stadthöfe in Lüneburg zur Versorgung der Klöster oder als Zufluchtsort in Krisenzeiten.
Die adeligen Bewohnerinnen der Klöster entstammten in der Regel dem Lüneburger Landadel. Der überwiegende Teil der bürgerlichen Damen kam aus Lüneburger Patrizierfamilien.
Mit der Einführung der Reformation kamen gravierende Änderungen auf die Klöster zu. Zunächst leisteten sie beharrlichen Widerstand gegen die Einführung der lutherischen Lehre. Erst als sich abzeichnete, dass mit Rücksicht auf den Adel und das städtische Patriziat die traditionsreichen Einrichtungen nicht völlig abgeschafft werden sollten, folgte man der neuen Lehre. Die mittelalterlichen Ordengemeinschaften überlebten als evangelische Klöster. Ihre Güter wurden in landesherrliche Ämter umgewandelt, der Landesherr übernahm die Verpflichtung zur Versorgung der Konventualinnen und zum Unterhalt der Gebäude.
1937 wurden die Lüneburger Klöster der Klosterkammer Hannover unterstellt, blieben aber selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Die Lüneburger Klöster bestechen nicht nur durch die Geschlossenheit ihrer baulichen Anlagen, sondern auch durch die Kontinuität ihrer klösterlichen Nutzung. Neben der Architektur ist auch der große Bestand an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ausstattungsgegenständen von Bedeutung. Bildteppiche der Klöster Wienhausen und Lüne, Stickereien in Ebstorf, Lüne, Isenhagen und Wienhausen, die um 1500 entstandene Christusfigur in Wienhausen und der 1494 gefertigte Äbtissinnenstab in Medingen sind nur einige Beispiele.
Das im 12 Jahrhundert gegründete
Kloster Ebstorf beeindruckt durch die ruhige Schönheit eines über so lange Zeit erhaltenen mittelalterlichen Klosteranwesens. Günstige Umstände haben es vor Zerstörung und Brand bewahrt, die Klosterfrauen haben es nie verlassen. Zu den bemerkenswertesten Kunstschätzen des Klosters gehören die thronende Madonna auf dem Nonnenchor und eine originalgetreue Kopie der Ebstorfer Weltkarte, die das christlich-europäische Weltbild des Mittelalters in einer einzigartigen Größe und Fülle darstellt.
Herzogin Agnes von Landsberg, eine Schwiegertochter Heinrichs des Löwen, stiftete das
Kloster Isenhagen im Jahr 1243. Am jetzigen Standort wurde das Zisterzienserkloster von 1345 bis 1350 erbaut, und heute gehört das evangelische Kloster zur Gemeinde Hankensbüttel. Der gotische Backsteinbau des Klosters erfuhr zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Veränderung, in dem der Süd- und Westflügel abgerissen und ein Wiederaufbau in barockem Fachwerkstil erfolgte – jedoch vom Innenhof aus sind beide Baustile noch heute gut erkennbar.
Nur wenige Gehminuten vom Zentrum Lüneburgs entfernt liegt das ehemalige
Benediktinerinnenkloster Lüne inmitten einer Grünanlage. Nach dem Brand 1372 wurde es durch Wiederaufbau über Jahrhunderte in seiner heutigen Erscheinungsform errichtet. Über den Klosterhof, der auf drei Seiten von gotischen Gebäuden aus dem 15. und 16. Jahrhundert und auf der vierten Seite von dem repräsentativen spätbarocken Gästehaus umgeben wird, betritt der Besucher die große Brunnenhalle des Klosters.
Das
Kloster Medingen wurde 1241 zuerst im heutigen Altenmedingen gegründet – erst 1336 fand es seinen heutigen Platz. Das einzige von der ursprünglichen Anlage erhalten gebliebene Backsteingotikgebäude ist das nördlich der Anlage gelegene Brauhaus aus dem 15. Jahrhundert. Die restlichen Bauten wurden nach einem verheerenden Brand zwischen 1781 und 1788 von dem hannoverschen Landbaumeister Christian Ludwig Ziegler in klassizistischer Architektur neu errichtet.
Unmittelbar in der Stadt Walsrode, umgeben von einer alten Mauer, liegt das
Kloster Walsrode als ältestes der Lüneburger Klöster, gegründet vor 986. Beim Eintritt durch das schmiedeeiserne Tor wird gleich die besondere Atmosphäre des Ortes spürbar.
Das
Kloster Wienhausen in dem gleichnamigen Ort wurde um 1230 gegründet. Das älteste erhaltene Bauwerk des Klosters ist die um 1290 erbaute kleine, fast quadratische Allerheiligenkapelle. Um 1310 wurden der Westflügel und zwanzig Jahre später der dazu anschließende Nonnenchor errichtet – deren Giebel heute noch die charakteristische und weithin bekannte Ansicht des Klosters bilden.