Bad Doberan - Sommerresidenz des 18 Jhs., Münster von Weltrang
Es sind die Details, die Geschichten und Geschichtchen, Schicksale und Kuriositäten, die den Jahrhunderte alten Bauten der Gotik einen Glanz der Einmaligkeit verleihen. Die Backsteine wurden für halbe Ewigkeiten gebrannt, und manch einer hat seine 800 Jahre schon hinter sich. Und jedes Bauwerk erzählt unzählige Geschichten, kleine private und große weltbewegende, Geschichten über Macht und Ränke, Glaube und Aberglaube, Krieg und Frieden, Unterdrückung und Freiheit, Zerstörung und Wiederaufbau. Zum Beispiel in...
Bad Doberan, geprägt von Zisterziensern und Fürst Friedrich Franz I.
Die Gründung der Stadt geht auf die letzten Endes erfolgreichen Versuche zisterziensischer Mönche aus dem Kloster Amelungsborn im Weserbergland zurück, in der damals slawischen Siedlung ein Kloster zu errichten. Die bis heute vollständig erhaltene Klosterkirche, das Doberaner Münster, Nachfolger des romanischen Vorgängerbaus von 1232, geht vermutlich zurück auf das Jahr 1280. Die Weihe erfolgte zwar erst 1368, aber schon Jahrzehnte zuvor, nämlich 1296, waren Rohbau und Dachwerk fertiggestellt. Angesichts der natürlichen Begrenzung verfügbarer Arbeitskräfte sowie technischer Möglichkeiten eine Meisterleistung!
Dabei gilt das Münster heute nicht nur als das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern, sondern besticht darüber hinaus durch seine Innenausstattung, die "fast durchweg aus Stücken von höchster künstlerischer Qualität, wobei die Fülle und die Geschlossenheit des aus mittelalterlicher Zeit überkommenen liturgischen Bestandes in keiner anderen Kirche Norddeutschlands erreicht werden. Das im Wesentlichen erhaltene zisterziensische Ausstattungsprogramm ist einzigartig." (Auszug aus einer Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege)
Das Münster:
Es ist die Kirche des 1186 am jetzigen Standort gegründeten Zisterzienserklosters, das sich im Mittelalter zum bedeutendsten Kloster Mecklenburgs entwickelte und als landesfürstliche Grablege höchste politische und historische Bedeutung hatte. Wichtig war es darüber hinaus durch seine Kolonisationstätigkeit für die landeskulturelle und ökonomische Entwicklung Mecklenburgs.
Die Bedeutung des Klosters schlug sich insbesondere im Bau und der Ausstattung der Klosterkirche (Münster) nieder. In seiner heutigen Gestalt ist das Münster ein Nachfolgebau der um die Gründungszeit begonnenen, 1232 geweihten ersten Kirche. Es wurde in erstaunlich kurzer Zeit ab ca. 1280 bis 1296 als Rohbau errichtet und bis zur Schlussweihe 1368 als turmlose Backsteinbasilika vervollständigt. Nach der Säkularisierung im Zuge der Reformation 1552 wurde das Münster die Kirche der kleinen Handwerker-Siedlung, blieb aber als Grablege der landesherrlichen Familie weiterhin intakt und so von Zerstörungen und nachteiligen baulichen Veränderungen verschont. Wichtig für den Bauerhalt waren mehrere Restaurierungen im 19. Jahrhundert, von denen die nach Plänen von Gotthilf Ludwig Möckel, der auch andernorts in Bad Doberan tätig war, in den Jahren 1880 bis 1900 die umfassendste und eingreifendste war.
Hochaltar - ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte:
Er ist der vermutlich älteste Flügelaltar in Deutschland und der Kunstgeschichte überhaupt. Er wurde um 1300 von unbekannten Meistern geschaffen. Aus dieser Zeit stammen die obere Reihe und mittlere Reihe. Oben stehen die Geschichten aus dem Neuen Testament in typologischer Beziehung zu denen des Alten Testaments in mittleren Reihe. Um das Jahr 1350 wurde der Altar durch die untere Reihe, die Apostelreihe mit den Mitpatronen St. Sebastian und Papst Fabian erweitert. In der Mittelnische stand bis um 1400 die Leuchtermadonna. Die Holzfigur wurde damals vermutlich durch eine große Monstranz ersetzt und durch weitere Heiligenbilder im Mittelteil ergänzt.