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Die Europäische Route der Backsteingotik wurde im Rahmen der denkmal2010 in Leipzig ausgezeichnet mit einer Goldmedaille für "herausragende Leistungen in der Denkmalpflege in Europa".
 
Goldmedaille
 
 
 

Die Europäische Route der Backsteingotik erhielt im Herbst 2012 einen "Sonderpreis" der Jury des europa nostra-Komitees. Damit würdigte die Organisation, die unter anderem den Erhalt des kulturellen Erbes in Europa zum Ziel hat, die besondere Arbeit des Vereins. 
 
special mention europa nostra
 
 

Deutschland

EuRoB-Karte Güstrow
 

Barlachstadt Güstrow

 
 
 

Dom zu Güstrow

 
 
Dom zu Güstrow

Domplatz
Tel. +49 (0)3843 682433
www.dom-guestrow.de

Öffnungszeiten:
15. Mai-15. Ok.t:
Mo.-Sa. 10-17 h, So. 14-16 h
 
Das Bauwerk:
1226 auf dem Totenbett gestiftet von Fürst Heinrich Borwin II, einem Enkel von Pribislav und Heinrich dem Löwen, ist der Dom das älteste Bauwerk der Barlachstadt Güstrow. Die Hauptaufgabe der heutigen Gemeindekirche war zunächst die Verbreitung des christlichen Glaubens im eroberten slawischen Land.

Nach Fertigstellung des Langschiffes und des Turmes erfolgt 1335 die Domweihe durch den Bischof von Kammin. 1552 wird der katholische Domstift aufgehoben. Der Dom steht leer und wird 12 Jahre lang als Wagenscheuer genutzt. 1568 wird er evangelische Hofkirche und Grablege für das Güstrower Fürstenhaus bis 1695.

Der Güstrower Dom, dessen Baukörper Zeuge unterschiedlicher Baustile – begonnen als Bau der Romanik, vollendet als gotischer Backsteinbau – ist, ist reich mit Kunstschätzen von der Spätromanik bis zur Neuzeit ausgestattet. So der spätgotische Flügelaltar von Hinrik Bornemann, das Herzog-Ulrich-Monument von Philipp Brandin und die Apostelfiguren von Claus Berg. Das bekannteste Werk, das für den Güstrower Dom geschaffen wurde, ist der „Schwebende“ von Ernst Barlach. 1927 wird das Denkmal gegen den Krieg angebracht, 1937 als entartete Kunst abgenommen und 1944 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. 1953 wird der Drittguss des „Schwebenden“ wieder im Dom über einem schmiedeeisernen Taufgitter aus dem 18. Jh. angebracht.
 
 
 

Pfarrkirche St. Marien

 
 
Foto: André Hamann
Foto: André Hamann
Am Suckower Graben 51
18273 Güstrow
Tel. +49 (0)3843 213673‎
Internet: 
www.pfarrgemeinde-guestrow.de

Öffnungszeiten: 

Juni-Sept.: Mo.-Sa. 10-17 Uhr
 
April-Mai, Okt.: Di.-So. 10-12 Uhr und 14-16 Uhr
 
Nov.-März: Di.-Sa. 11-12 Uhr und 14-15 Uhr
 
So. entspr. nachmittags ab 14 Uhr
 
Das Bauwerk:
Vom Domkapitel für die geistigen Bedürfnisse der Bürger der Stadt Güstrow gestiftet, wird die Kirche auf dem Markt 1308 das erste Mal urkundlich erwähnt. Anfang des 16. Jahrhundert wird sie dreimal durch Stadtbrände zerstört bzw. stark in Mitleidenschaft gezogen, aber immer wieder zusammen mit den Häusern der Stadt aufgebaut. Seit 1533 wird in der Marienkirche lutherisch gepredigt. 1780 erhält sie den barocken Turmhelm, 1880-1883 erfährt sie durch Hofbaurat Daniel in einer grundlegenden Überbauung die heutige Gestalt als dreischiffige Hallenkirche. 2004-2009 findet eine gründliche Renovierung der Kirche von innen und außen statt.

Die Bürger Güstrows statteten ihre Kirche im Laufe der Jahrhunderte großzügig aus. Zu sehen sind eine Pietà (Anfang 1500), eine fünfteilige Triumphkreuzgruppe (1516), der prächtige Wandelaltar (1522) mit 13 Schnitzreliefs von Jan Bormann und sechs Tafelgemälden von Bernaert von Orley sowie das Ratsgestühl von 1599 (Eicheintarsienarbeit). Zahlreiche Wandleuchter und zwei flämische Kronen wurden von Handwerkern und Bürgern gestiftet. An den Wänden befinden sich verschiedene Epitaphien, die an Bürgermeister und Bürger der Stadt erinnern. Die Orgel samt Orgelempore sind 1764 durch den Rostocker Orgelbaumeister Paul Schmidt im barocken Stil in die Kirche hineingebaut worden.

Eine Türmerwohnung, die auch zu besichtigen ist, beherbergte in 40m Höhe bis 1927 den Türmer und seine Familie. Seine Aufgabe war es, Brandwache über die Stadt zu halten und die Bürger bei Feuer zu alarmieren. Der Turm ist zu besteigen und bietet aus 45m Höhe einen wundervollen Blick über Güstrow und sine Umgebung.
 
 

Gertrudenkapelle

 
 
Foto: Ernst-Barlach-Stiftung
Gertrudenplatz 1
18273 Güstrow
www.ernst-barlach-stiftung.de

Öffnungszeiten:

Apr-Okt.
Di.-So. 10-17 Uhr 

Nov-März
Di.-So. 11-16 Uhr 

Montag ist Ruhetag außer an Feiertagen sowie im Juli und August
 
Das Bauwerk:
Die Gertrudenkapelle wurde Ende des 14./ Anfang des 15. Jh. ursprünglich als Fachwerkkonstruktion mit Backsteinmauerwerk außerhalb der Stadtmauern errichtet. Sie diente zunächst als Wallfahrtskapelle, später auch der Unterbringung von Kranken. Eine dendrochronologische Untersuchung des historischen Fachwerks hat ergeben, dass das Holz für das Ständerwerk aus dem Jahr 1439 stammt. Damit zählt die Gertrudenkapelle in Güstrow zu den ältesten Fachwerkkirchen des Mittelalters in Mecklenburg-Vorpommern. Die im Kern gotische Gertrudenkapelle wurde in den 1930er Jahren wiederaufgebaut. Seit Oktober 1953 dient der flach gedeckte Backsteinsaal als Museum für Werke des Bildhauers Ernst Barlach (1870-1938).

Bei der grundlegenden Restaurierung 2006/07 wurden mittelalterliche Malereien zu Tage gefördert, die das Thema der Passionsgeschichte zum Inhalt haben. Diese Fresken sind nach 1500 während der zweiten Bauphase der Kapelle entstanden. Die Szene der „Dornenkrönung Christi“ wurde exemplarisch freigelegt.
 
 

Heilig-Geist-Kirche

 
 
Foto: André Hamann
Norddeutsches Krippenmuseum
Gleviner Straße / Heiligengeisthof 5 
18273 Güstrow
Telefon/Fax: +49 (0)3843 466744

Öffnungszeiten:
1. Advent -15. Jan. und Juni-Sept. tägl. 10-17 Uhr
16. Jan.-31. Mai und Okt.-Nov.: Di.-So. 11-16 Uhr
 
Das Bauwerk:
Die Heilig-Geist-Kirche wird als Hospitalstiftung erstmalig 1308 erwähnt. Der vorhandene Bau wurde 1313 begonnen. Das zweigeschossige Gebäude ist im Stil der gotischen Backsteinarchitektur als erstes städtisches Krankenhaus und Pflegeheim erbaut worden. Der Erhaltungsgrad typologisch frühgotischer und bis heute unverfälschter Backsteinbaukunst eines innerstädtischen Profanbaus ist hier als ein herausragender Wert gewürdigt. Die Qualität dieser Bauteile verweist auf die Beteiligung unbekannter aber erfahrener Baumeister, deren Baukunst zuvor vermutlich an sakralen Bauaufgaben oder im Burgenbau geschult sein mag.

Ab 1524 ist die Nutzung des Hauses als Kirche bekannt, in der 1525 der erste Lutherische Gottesdienst in Güstrow gefeiert wurde. Von 1824 bis 1945 wurde sie als Kirche für das Landarbeitshaus im Güstrower Schloss genutzt. Bis 1973 war die Kapelle Gotteshaus für die Güstrower Gemeinde, danach wurde sie wegen Baufälligkeit als Baudepot genutzt. 1991 bis 1993 wurden Sicherungsmaßnahmen erforderlich, da sich der Giebel des Gebäudes mehr und mehr zur Straße neigte. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 2005 bis 2007 öffnete im Dezember 2007 das Norddeutsche Krippenmuseum seine Pforten. Es beherbergt die umfangreiche Sammlung von Weihnachtskrippen aus aller Welt, Eigentümer der Kirche ist die „Weihnachtskrippen in Heilig Geist – Mechthild und Dr. Rudolf Ringguth-Stiftung. Die Sanierung wurde über die Städtebauförderung mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Barlachstadt Güstrow und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziert.

Erwähnenswert sind die barocke Bohlendielendecke mit illusionistischer Kassettierung sowie Reste eines gotischen Randfrieses, die wie Fragmente einer Kreuzigungsdarstellung in Secco-Technik im Altarraum und eine symbolische Heilig-Grabanlage bei der letzten Renovierung in den Jahren 2006/2007 freigelegt wurden. Der Bau besitzt eine für städtische Hospitalbauten außergewöhnliche Qualität, die in ihrer ehemals zweigeschossigen Struktur der architektonischen Idealform von Konventshäusern verschiedener Orden entspricht. Bauforscher Schumann sagt: " Es gibt für diesen Hospitalbau in seiner ursprünglichen Form keine bisher bekannte Parallele in der städtischen norddeutschen Backsteinarchitektur, was diesen Bau mit seiner umfangreichen Originalsubstanz zu einem bedeutenden mittelalterlichen Baudenkmal in Mecklenburg-Vorpommern macht…

An der nördlichen Westwand befand sich eine ehemals flach überwölbte, mit einem Rauchabzug versehene Küchensituation, die zwar nachträglich eingebracht, aber noch längere Zeit im Mittelalter benutzt wurde. Nach Freilegungsarbeiten sind der Rauchabzug und eine Abstellnische im Zuge der Sanierungsarbeiten gefestigt und die Herdnische wieder sichtbar gemacht. …" Vor der Kreuzigungsgruppe wurde nachträglich ein kleines Kellergewölbe eingebaut. Die Untersuchungsergebnisse stützen die Hypothese, dass es sich hierbei um eine symbolische Heilig-Grabanlage handelt, nach dem Vorbild des in den Evangelien erwähnten Felsengrabes vor den Mauern des alten Jerusalem in das Jesus Christus nach der Kreuzabnahme gelegt wurde.

Das bauarchäologische Gutachten würdigt Erhaltungszustand und Zeugniswert:

Über die Heilig-Grabanlage führt Bauforscher Schumann folgendes aus: "Der Einbau einer Grabanlage im 15. Jh. gab dem Kapellenraum eine inhaltliche und funktionale Aufwertung, doch die gewölbte Anlage geht weit über einen normalen Grabeinbau hinaus. Er besaß in seiner nördlichen Stirnwand eine verschließbare Schranknische sowie eine kleine Fensteröffnung, die den Angeln zufolge ebenfalls verschließbar war. Durch diese Öffnung konnte man vom Kirchenraum aus in diesen eingetieften Raum hineinschauen, denn er reichte über das mittelalterliche Fußbodenniveau. In ihrer Vollständigkeit muss die Güstrower Anlage jedoch als eine der besterhaltenen gelten, denn die vorhandenen Baudetails machen die ursprüngliche liturgische Nutzung nachvollziehbar. Wahrscheinlich entstand die Anlage mit dem Recht, am Altar der Kapelle die heilige Messe zu vollziehen."

Ein vergleichsweise geringes Budget für die Bausanierung verwies etwa denkbare Sonderwünsche des "Event-Zeitalters" ins Aus. Sowohl technischer als auch dekorativer Überschwang hatten keine Chancen. Die sprichwörtliche Tugend der Sparsamkeit erzwang in positivem Sinne, die verbliebenen bau- und kunsthistorisch sehr wertvollen Bauteile und Fragmente aus sieben Jahrhunderten im Original zu bewahren. Mit der Eröffnung des Norddeutschen Krippenmuseums konnte ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte geöffnet werden, das mit seinen Spuren aus über sieben Jahrhunderten selbst eine Geschichten erzählende Sammlung ist.