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Die Europäische Route der Backsteingotik wurde im Rahmen der denkmal2010 in Leipzig ausgezeichnet mit einer Goldmedaille für "herausragende Leistungen in der Denkmalpflege in Europa".
 
Goldmedaille
 
 
 

Die Europäische Route der Backsteingotik erhielt im Herbst 2012 einen "Sonderpreis" der Jury des europa nostra-Komitees. Damit würdigte die Organisation, die unter anderem den Erhalt des kulturellen Erbes in Europa zum Ziel hat, die besondere Arbeit des Vereins. 
 
special mention europa nostra
 
 

Deutschland

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Acht Jahrhunderte Geschichte

 
Die Gesamtregion rund um die Ostsee, von Dänemark bis weit nach Russland, war mit ihrem weit verzweigten Netz von Hansestädten im Mittelalter der führende Wirtschaftsraum Europas. Gerade auf dem heutigen Gebiet Norddeutschlands liegen einige damalige "Welt"städte. Ökonomische Macht spiegelt sich bis heute wider in den aus dieser Zeit stammenden Bauwerken. Gotisch geprägt und aus Millionen von Backsteinen konstruiert entstanden sie überwiegend zwischen 1200 und meist bis spätestens 1600. Diese bauhistorischen Perlen finden sich heute als Dorfkirchen oder Kathedralen, als Bürger- oder Rathäuser, in Toren und Stadtmauern. 

So erhielt die Stadt Wolgast, heute eines der beiden Tore zur Insel Usedom, schon Jahrhunderte vor der Entstehung der dortigen Kaiserbäder als Hansestadt das Lübische Stadtrecht. Ab 1296 residierten die Herzöge der Wolgaster Linie mehr als drei Jahrhunderte lang auf der Schlossinsel. Die St. Petrikirche und das Kleinod der 12eckigen Gertrudenkapelle sind bis heute beeindruckende Zeitzeugen einer wechselvollen Geschichte. 

Die Hansestadt Stralsund, zusammen mit Wismar UNESCO-Stadt, stieg nach der Verleihung des Stadtrechts 1234 schnell zu einer Lübeck fast ebenbürtigen Stadt auf. Bis heute zeugen zahlreiche Bürgerhäuser, Tore, Klöster, das Rathaus und insbesondere die Marien-, Nikolai- und Jakobikirche von ihrer einstigen Bedeutung. Der Hafen, das Ozeaneum und die Rügenbrücke ergänzen heute die historische Stadt und Besucherattraktion Norddeutschlands.

Schwerin, im Landesinneren gelegen, ist heute als kleinste Landeshauptstadt bekannt und für sein beeindruckendes Schloss berühmt. Der Dom, gebaut zwischen 1270 und 1426, ist mit seinem gut 117 m hohen neogotischen Turm, der einen großartigen Ausblick bietet, jedoch noch auffälliger und zugleich eines der wenigen Zeugnisse des mittelalterlichen Schwerins.

In herausragender Lage, gleich südlich der beliebten Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und auf halber Strecke zwischen Rostock und Stralsund, wurden zum Schutz der Querung des Flüßchens Recknitz die Städte Ribnitz und Damgarten angelegt. Der hanseatische Ursprung der heutigen Bernsteinstadt Ribnitz-Damgartens wird vielfach belegt durch das Klarissenkloster (Deutsches Bernsteinmuseum) von 1323, durch das Rostocker Tor und die Marienkirche (1233) in Ribnitz sowie die St. Bartholomäuskirche in Damgarten (1230).

Unweit landschaftlicher Idyllen wie dem Wockersee, der Mecklenburgischen Seenplatte, dem Slater Moor, der Sternberger Seenlandschaft und direkt am Flüßchen Elde gelegen bietet Parchim einen hervorragend erhaltenen Stadtkern, überragt von den Türmen St. Mariens und St. Georgens. In den Kirchen blieben nicht nur die wertvollen mittelalterlichen oder barocken Inventare erhalten. Auch ihre Dachkonstruktionen sind noch fast komplett und teilweise sogar zu besichtigen. 

Die kleinste, aber nicht minder bedeutende Stadt auf der Europäischen Route der Backsteingotik ist Neukloster. Der Name ist Programm, denn die Stadt wird geprägt von dem "neu" erbauten,1236 geweihten und großenteils erhaltenen Kloster am Sonnenkamp mit den zweitältesten Fenstern Norddeutschlands, vom Glockenturm und dem Propsteigebäude. Die Natur und der beschauliche Stadtkern laden darüber hinaus zum Ausspannen ein.

Jenseits der Hafen- und Hansestädte, wo der Besucher gar nicht mehr mit der klassischen rot leuchtenden Backsteinarchitektur rechnet, muss er sich in Neubrandenburg und in Burg Stargard, der nördlichsten Höhenburg Deutschlands, eines Besseren belehren lassen. Die vollständig erhaltene Stadtmauer mit den vier berühmten Toranlagen sucht Ihresgleichen. Die Marienkirche war zwar von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges schwer betroffen, präsentiert sich heute aber als führendes Konzerthaus mit einmaliger Akustik und einer spannenden Symbiose aus alt und neu.

Erst im Jahr 2008 erlangte die Hansestadt Lüneburg den imageträchtigen Titel wieder. Vieles in der Stadt drehte sich lange um das Weiße Gold, Salz, das die Stadt einst reich machte. Aus diesem Grund war sie auch in der Hanse ein mächtiger Akteur, obwohl nicht, wie etwa Lübeck oder Rostock, direkt am Meer gelegen. Sofern die Fundamente Lüneburger Bauten nicht durch die Salzgewinnung abgerutscht sind, sind sie zu großen Teilen gotisch. Doch aufgrund des Reichtums auch noch im 16. und 17. Jahrhundert, während die Hanse längst im Niedergang war, zeigt die Stadt heute ein teils gotisch, teils durch die Renaissance geprägtes Gesicht.

Ausflüge rund um Lüneburg lohnen sich zudem nicht nur aufgrund der Schönheit der Heide, sondern zum Beispiel wegen des Doms zu Bardowick oder der Vielzahl kleiner, aber schmucker backsteingotischer Kirchen rund um die Stadt.

Ihre eigene Tradition und hanseatische Vergangenheit steht der Universitäts- und Hansestadt Greifswald geradezu ins Stadtbild geschrieben. Die Jakobikirche, der Dom St. Nikolai und die Marienkirche stehen in Reih und Glied, öffnen sich dem näher Kommenden mit dem typischen Caspar David Friedrich-Blick. Der berühmte Romantiker, Sohn der Stadt, hat seine Spuren hinterlassen. Daher darf der Besuch in der Klosterruine Eldena und im Fischerdorf Wieck nicht fehlen. Doch auch dem Pommerschen Landesmuseum mit dem berühmten Croy-Teppich sollte ein Besuch gewidmet werden, wie auch den alten Gebäuden der 1456 gegründeten Universität oder dem Museumshafen, Startpunkt für einen idyllischen Spaziergang entlang des Rycks nach Wieck.

Zusammen mit dem polnischen Städtchen Płock an der Weichsel ist Brandenburg an der Havel die südlichste Stadt auf der Europäischen Route der Backsteingotik. Die alte Bischofsstadt, die dem Land seinen Namen gab, ist wunderschön zwischen Seen und Wäldern gelegen, über die man von einem der zahlreichen Kirchtürme der Stadt einen fantastischen Überblick bekommt. Der Liebhaber der Backsteingotik wird hier auf seine Kosten kommen: Vier Kirchen, der Dom, eine Kirchenruine, ein Kloster, das Rathaus, vier Tortürme, eine verrückte Kapelle...

Mit dem Münster in Bad Doberan verhält es sich wie mit New York und Amerika: Es ist nicht die Stadt, und die Stadt ist nicht das Münster. Es ist neben Heiligendamm sicher der bekannteste Teil der Stadt, die aber noch mehr zu bieten hat - zum Beispiel die Prachtbauten rund um den Kamp und neogotische Kunstwerke des berühmten Baumeisters Gotthilf Ludwig Möckel. Gleichwohl ist der Besuch des mit seiner erhalten gebliebenen Ausstattung einmaligen Münsters mit dem Klostergelände, Beinhaus, Kornhaus, Torhaus und der komplett erhaltenen Stadtmauer ein Muß.

Wolgast ist das Tor nach Usedom, doch die Hansestadt Anklam ist es auch. Einst stolze Hansestadt und Geburtsstadt des Flugpioniers Otto Lilienthal, bietet sie auch heute noch gute Gründe, einzuhalten und zum Beispiel die Marienkirche, die noch heute zu den schönsten Backsteinkirchen zählt, zu besuchen. Auch aus der Zeit der letzten Jahrhundertwende bietet die Stadt eine Vielzahl spannender Bauten. Ist das Interesse an Natur größer als an Stadt, so seien die Ausflüge auf oder entlang der Peene empfohlen.

 

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